Olympia -
der Weg ins olympische Programm
Der 4. September 1994 wird als ein denkwürdiges Datum in die Taekwondo-Geschichte eingehen. An diesem Tag verkündete nämlich Juan Antonio Samaranch, Präsident des Internationalen Olympischen Comitee (IOC), das Taekwondo in das olympische Programm aufgenommen wird und bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 vertreten ist. Ob Taekwondo allerdings auch nach diesen Spielen im olympischen Programm bleibt, wird vom IOC bis 1998 entscheiden.
Daß sich Taekwondo bereits vor der IOC-Entscheidung durchaus berechtigte Hoffnungen auf den olympischen Status machen konnte, lag unter anderem an Dr. Kim Un-Young, der neben seinem Amt als Präsident der World Taekwondo Federation (WTF) auch noch die Funktion als Vizepräsident des IOC begleitet. Aber auch von Juan Antonio Samaranch ist bekannt, daß er dem Taekwondosport durchaus zugeneigt ist. Nur am Rande sei erwähnt, daß Spanien in punkto Taekwondo in Europa schon seit Jahren Spitzenposition einnimmt.
Bereits vor sechszehn Jahren wurde in Baden-Baden die Vorausetzung für Taekwondo geschaffen, überhaupt in das olympische Programm aufgenommen zu werden. Damals wurde während des 81. IOC-Kongreß die Sportart Taekwondo als olympische Disziplin anerkannt. In Seoul, bei den Olympischen Spielen 1988, war Taekwondo dann zum ersten Mal als Demonstrationssportart zugelassen und bekam die Chance, sich weltweit in der Öffentlichkeit vorzustellen. Mit Erfolg, denn vier Jahre später, bei den Olympischen Spielen in Barcelona, wurde Taekwondo zum zweiten Mal als Demonstrationssport zugelassen.
Um die Ausweitung des zeitlichen Rahmens, mit dem die Aufnahme von Taekwondo verbunden ist, nicht zu arg zu strapazieren, wurde die acht Gewichtsklassen der Damen und Herren vom IOC auf auf vier Klassen reduziert. Da auch diese Beschränkung angesichts von weltweit 127 Mitgliedsländern ein organisatorischer Unsicherheitsfaktor gewesen wäre, wurde vom IOC die Teilnehmerzahl auf insgesamt nur 100 WettkämpferInnen beschränkt. Es ist nun die Angelegenheit der WTF, dem Taekwondo-Weltverband, die Anzahl der startberechtigten Taekwondokas und die jeweiligen Gewichtsklassen unter den Ländern aufzuteilen. Auf welcher Grundlage diese Verteilung erfolgen wird, steht derzeit noch nicht fest. Es ist aber anzunehmen, daß hierfür die Plazierungen bei der nächsten Weltmeisterschaft herangezogen wird, die dieses Jahr im November in Hongkong ausgetragen wird.
Mit der IOC-Entscheidung verbinden viele der im Hochleistungsbereich trainierenden Wettkämpfer und Wettkämpferinnen die Hoffnung, daß mehr Journalisten als bisher ihre Vorurteile gegenüber dem Taekwondosport aufgeben und sich vor Ort über die Regeln informieren. Denn ein sachlicher Bericht oder eine sachliche Reportage ist - im Gegensatz zu den anderen Nationen - für deutsche Taekwondokas der einzige Lohn, den sie für ihren Einsatz erhalten.
Text: Peter Bolz