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Stellenwert

Gesellschaftlicher Stellenwert des Taekwondo

Sozusagen als Nebeneffekt werden beim Taekwondo mehrere Fähigkeiten erlernt bzw. verfeinert, die man sich auf andere Weise nur mühsam aneignen kann. So ist Taekwondo beispielsweise neben der Verbesserung der Koordinationsfähigkeiten und der Bewegungsmotorik ist auch hervorragend dazu geeignet, die Konzentration, die körperliche Fitneß, das Selbstbewußtsein und das Selbstwertgefühl erheblich zu steigern.

 Taekwondo und Kinder

Schon alleine wegen dieser positiven Aspekte ist Taekwondo besonders dazu geeignet, die Entwicklung von Kindern in körperlicher und geistiger Hinsicht zu fördern. Es gibt aber auch noch andere Gründe, weshalb sich Taekwondo als eine Art Erziehungshilfe herauskristallisiert hat. Von der ersten Stunde an wird den Kindern klar gemacht, daß die Fairneß zum obersten Prinzip gehört. Die Kinder lernen sehr schnell, daß man die Schwäche eines anderen nicht ausnutzt.

Da die Farbe des Gürtels beim Taekwondosport ein äußeres Zeichen des Könnens symbolisiert, ist jedes Kind - und selbstverständlich auch jeder Jugendliche oder Erwachsene - bestrebt, an der nächsten Gürtelprüfung teilzunehmen. Um die Prüfung zu bestehen, lernen Kinder ganz schnell, daß man sein Ziel erreichen kann, wenn man sich dafür einsetzt. Viele Eltern können ein Lied davon singen, denn nicht selten werden vor Gürtelprüfung die Sesselgarnituren verschoben werden, da-mit das Kind im Wohnzimmer genug Platz zum Üben hat.

 Taekwondo als Schulsport

Nicht ohne Grund wurde Taekwondo in Bayern für den Differenzierten Sportunterricht (DSU) zugelassen. Daß Taekwondo den Zugang in die Turnhallen der bayerischen Schulen gefunden hat, ist dem in München wohnenden Reiner Hofer zu verdanken. In Zusammenarbeit mit den Eltern eines Münchner Gymnasiums konnte er das Kultusministerium von der positiven Seite des Taekwondo überzeugen. Es spricht für die flexible und offene Art des Ministeriums, daß man dort bereit war und ist, zum Wohle der Kinder neue Wege zu gehen.

 Taekwondo bei der Bundeswehr

Vor fast dreißig Jahren wurden bei der Bundeswehr sogenannte Sportfördergruppen ins Leben gerufen, in denen die Spitzensportler auch während ihrer Wehrpflicht ihren Sport ausüben können. 1981 wurde auch für Taekwondo eine Sportfördergruppe in der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen ein-gerichtet. Georg Streif, der seit der Gründung als Stützpunkttrainer der Sportfördergruppe angehört, hatte in den Anfängen einen schweren Stand. "Von den anderen Sportlern wurden wir damals als Akteure aus Kung-Fu-Filmen betrachtet. Erst durch gemeinsames Training haben sie unseren Sport und unser Leistungen akzeptiert."

Mittlerweile hat sich die Taekwondogruppe durch beachtliche Erfolge einen respektablen Ruf verschafft. Mit derzeit insgesamt vier Goldmedaillen, die das deutsche Team bei Militärweltmeisterschaften gewinnen konnte, hat sich die Sonthofener Truppe auch internationale Anerkennung erworben.

Durch die Errichtung der Sportfördergruppe für Taekwondo besteht für alle Wettkämpfer - und seit 1993 auch alle Wettkämpferinnen - die Chance, während ihres Wehrdienstes unter professionellen Bedingungen zu trainieren. Ein bißchen Glück gehört allerdings dazu, um einen der begehrten Plätze zu bekommen. Man muß nämlich zum Nationalkader gehören und, was fast noch schwieriger ist, es muß ein Platz frei sein.

 Taekwondo in der Justizvollzugsanstalt

Als Gisela Bartmann, damaliges Präsidiumsmitglied des BLSV, vor drei Jahren den Vorschlag unterbreitete, mit einem ausgesuchten Kreis von Frauen der JVA Aichach einen Tae-kwondokurs durchzuführen, mußte sie erst einmal bei den Skeptikern viel Überzeugungsarbeit leisten. Argwöhnisch waren verständlicherweise die Bediensteten, die Probleme beim täglichen Umgang mit den Frauen befürchteten. Es gab aber auch viele Stimmen, die in dem Projekt eine Chance sahen, an die Frauen heranzukommen, die sich abgekapselt hatten und einfach ihre Zeit absaßen.

Finanziert wurde das Projekt "Taekwondo in der JVA" vom Bayerischen Justizministerium. Die wissenschaftliche Betreuung übernahm Frau Katja Merkenschlager.

Das Ergebnis des Projektes übertraf alle Erwartungen. Bereits nach den ersten Trainingseinheiten stellte Frau Gerda Dotzauer, die Diplom-Psychologin der JVA Aichach, bei den Frauen eine ruhigere und zufriedenere Umgangsart fest. Sie bestätigte ferner, daß sie seit dem Training viele Gespräche führen konnte, die vorher einfach undenkbar waren.

 

Text: Peter Bolz