Jugend-Europameisterschaft in Larnaca/Zypern

In Larnaca / Zypern wurde die 21. Jugend-Europameisterschaft ausgetragen. In dem auf vier Tage angesetzten Turnier gingen 486 Teilnehmer aus 41 Nationen im Kition Athletic Centre, der Sporthalle des Basketballclub AEK Larnaca, an den Start.

In der Sporthalle wurden drei Kampfflächen ausgelegt. Die Wettkämpfe wurden mit den elektronischen Kampfwesten der Firma Daedo ausgetragen. Die Poollistenverwaltung wurde von der Firma Universal Profession Taekwondo (uptkd) durchgeführt. Inhaber dieser Firma ist Jon Garcia Aguado, Vizeweltmeister von 2005.

Bei dieser Jugend-Europameisterschaft durften neben den von den jeweiligen Nationen nominierten Kadermitgliedern zum ersten Mal auch alle Medaillengewinner des letzten Presidents-Cups an den Start gehen. Von dieser Regelung, die von der Führungsriege des europäischen Verbands vor zwei Jahren ausgerufen wurde, profitierte vor allem Russland, die beim Presidents-Cup eine riesige Anzahl an Teilnehmern anmeldete. Nachdem das russische Team in Athen besonders erfolgreich war, durften für sie bei der Jugend-Euro insgesamt 48 Wettkämpfer auf die Kampffläche schicken.

Ein Vergleich macht deutlich, dass sich der mit einem hohen finanziellen Einsatz verbundene Aufwand für Russland bezahlt gemacht hat. Während der Jugend-Euro vor zwei Jahren - also noch ohne der neuen Presidents-Cup-Regelung – gewann das russische Team insgesamt zwölf Medaillen. Bei der diesjährigen Jugend-Euro stand Russland mit 26 gewonnenen Medaillen im Medaillenspiegel einsam an der Spitze. Mit jeweils sechs Medaillen folgten dann die Teams aus der Türkei, Deutschland und Kroatien.

Das deutsche Nationalteam reiste mit zwanzig Kadermitgliedern nach Zypern, davon waren elf aus bayerischen Vereinen. Nachfolgend wird auf die Wettkämpfe der bayerischen Athleten eingegangen. 

Jugend weiblich bis 42 kg: (Silbermedaille)
In der weiblichen Klasse bis 42 kg musste Shayna GUERRA im ersten Kampf gegen Chloe Cazalin aus Frankreich antreten. Sie gewannt den ausgeglichenen Kampf knapp mit 13 zu 12 Punkten. Ihr Viertelfinale gegen Melanie Peer aus Österreich gewann sie vorzeitig mit 33 zu 3 Punkten. Nach einem weiteren 10-zu-6-Sieg gegen die starke Russin Valeriia Gurchenko stand die Nürnbergerin im Finale. Im Finale unterlag Shayna dann gegen Emine Gögebakan aus der Türkei mit 3 zu 15 Punkten - und gewinnt in ihrer jungen Karriere zum zweiten Mal den Titel „Vizeeuropameisterin“. 

Aus der Sicht von Bundestrainer Marco Scheiterbauer hat Shayna in den letzten zwei Jahren großartig entwickelt und den Übergang von den Kadetten zur Jugend bravourös gemeistert. „Shayna hat unglaublich tolle Kämpfe abgeliefert. Sie hat vor allem im Halbfinale gegen die starke Russin unglaublich gut gefightet und die Silbermedaille verdient gewonnen.“

Jugend weiblich bis 46 kg:
Im ersten Kampf hatte es Supharada „Anja“ Kisskalt mit Martina Corelli, der amtierenden German-Open-Siegerin aus Italien, zu tun. Zwei Runden lang kämpfte sie zu verhalten und lag zehn Punkte im Rückstand. Erst in der dritten Runde entfaltete die Nürnbergerin ihr ganzes Potential, startete eine furiose Aufholjagd und konnte das Kampfergebnis wieder ausgleichen. Am Ende musste sie dann aber doch eine 13-zu-14-Niederlage akzeptieren.

Bundestrainer Scheiterbauer: „In den ersten zwei Runden war Anja viel zu passiv. Um ein Haar hätte sie den Kampf aber noch für sich entscheiden können, hat dann aber am Ende wegen einer unglücklichen Kampfrichterentscheidung verloren.“

Jugend weiblich bis 52 kg: (Goldmedaille)
Im ersten Kampf musste Vanessa Beckstein gegen Andjela Kujundzic aus Serbien auf die Kampffläche. Sie gewann die Begegnung deutlich und überlegen mit 18 zu 4 Punkten. Danach konnte sie sich auch überlegen 15 zu 3 Punkten gegen Loredana Porcescu aus Moldawien durchsetzen. Im Viertelfinale ließ sie dann auch Gulse Polat aus der Türkei keine Chance und gewann relativ deutlich mit 26 zu 12 Punkten. Im Halbfinale ließ sich Vanessa auch nicht von Julia Sereda aufhalten. Sie bezwang die Polin mit 24 zu 5 Punkten und stand damit im Finale. Gegen die starke Rumänin Liana Musteata, der Kadetten-Europameisterin 2016, musste Vanessa dann drei Runden lang in einem ausgeglichenen Kampf alles geben. In der letzzten Sekunde konnte Vanessa den Siegtreffer landen. Sie gewann mit 14 zu 12 Punkten – und ist jetzt neue Europameisterin. Herzlichen Glückwunsch!

Angesichts der hervorragenden Leistungen war Bundestrainer Marco Scheiterbauer voll des Lobes. „In der Formel 1 würde man von einem Start-Ziel-Sieg sprechen, Vanessa war an diesem Tag eine Klasse für sich. Selbst in schwierigen Situationen blieb sie konzentriert und behielt die nötige Ruhe. Ihre mentale Stärke und ihr unbändiger Siegeswille waren an der Fläche für fast alle Anwesenden zu spüren.“

Jugend weiblich bis 55 kg:
Ihren ersten Kampf gegen die Österreicherin Victoria Falke gewann Stefanie Grünauer mit 12 zu 1 Punkten ohne Probleme. Danach konnte sie sich auch noch gegen die Polin Ewa Jamiolkowska mit 15 zu 8 Punkten durchsetzen und stand damit im Viertelfinale. Dort hatte sie es dann mit Anastasiia Nosova aus Russland zu tun. „Zwei Runden war der Kampf zwischen den beiden ausgeglichen“, erklärte Bundestrainer Marco Scheiterbauer. Allerdings lag die Russin zum Beginn der dritten Runde mit 9 zu 7 in Führung. „Stefanie musste angreifen und wurde dabei ausgekontert.“ Am Ende verlor sie mit 26 zu 7 Punkten.

Jugend weiblich bis 68 kg:
Ihren ersten Kampf gegen Joana Margarida Freira aus Portugal konnte Darija Husovic problemlos mit 15 zu 3 Punkten für sich entscheiden. Im Achtelfinale unterlag sie dann aber gegen Dana Azran aus Israel ganz knapp mit 8 zu 9 Punkten.

„Darija war im Viertelfinale stets auf Augenhöhe mit ihrer Gegnerin und hat bis zum Schluss gefightet“, äußerte sich Bundestrainer Scheiterbauer zum Kampfgeschehen.

Jugend weiblich über 68 kg: (Bronzemedaille)
Bei ihrem ersten Kampf gegen Yelyzaveta Liuchkova bestätigte Alema Hadzic eindrucksvoll, dass sie bei der Vergab der Medaillen ein Wörtchen mitreden möchte. Sie gewann den Kampf vorzeitig mit 21 zu 0 Punkten. Im Viertelfinale konnte sie sich dann auch deutlich mit 25 zu12 Punkten gegen Beyza Basma aus der Türkei durchsetzen. Im Halbfinale gegen die Russin Kristina Adebaio fehlte der Deutschen dann das kleine Quäntchen Glück zum Sieg, denn in der allerletzten Sekunde konnte die Russin noch einen Kick anbringen und den Kampf mit 12 zu 11 Punkten für sich entscheiden.

Bundestrainer Marco Scheiterbauer war nach dem Kampf voll des Lobes. „Alema hat wirklich alles gegeben, ein Sieg war in greifbarer Nähe und wäre sicherlich mehr als verdient gewesen. Ich bin von ihrem Potenzial und von ihrer starken Persönlichkeit überzeugt – Alema wird ihren erfolgreichen Weg auch bei den Damen erfolgreich fortführen.“

Jugend männlich bis 45 kg:
In seinem Auftaktkampf bezwang Yilmaz KUBILAY den Spanier Inaki Boix Madrigal relativ deutlich mit 30 zu 19 Punkten. Danach musste er im Achtelfinale gegen den als Favorit gesetzten Russen Dmitrii SHISHKO antreten. Gegen den Kadetten-Europameister 2015 und späteren Vizeeuropameister aus Russland musste der Nürnberger dann eine 21-zu-7-Niederlage akzeptieren. „Yilmaz hat sich in seiner ersten Saison in der Jugend gut entwickelt. In Larnaca konnte er wichtige Erfahrungen sammeln, die ihm in seiner Karriere mit Sicherheit hilfreich sind.“

Jugend männlich bis 55 kg: (Bronzemedaille)
In der mit 31 Teilnehmer besetzten Gewichtsklasse konnte sich Spiridon Nitsas zunächst gegen Aleksandar Batalo aus Serbien mit 26 zu 21 durchsetzen. Das Achtelfinale gegen den Griechen Vasileios Tholiotis gewann der Dachauer knapp mit 13 zu 12 Punkten und stand damit im Viertelfinale. Beim Kampf um eine Medaille stand ihm dann Levente Jozsa aus Ungarn gegenüber. Nach drei Runden konnte Spiridon den engen Kampf mit 8 zu 6 Punkten für sich entscheiden und stand damit bereits auf dem Siegertreppchen. Im Halbfinale unterlag er dann aber gegen Viacheslav Bovkun aus Russland mit 5 zu 16 Punkten.

„Es war ein tolles Turnier mit starker Konkurrenz in seiner Gewichtsklasse. Ich war von der Art und Weise, wie motiviert und engagiert sich Spiridon diese Medaille erkämpft hat, sehr beeindruckt“, erklärte Bundestrainer Scheiterbauer.  

Jugend männlich bis 59 kg: (Bronzemedaille)
Eigentlich kämpft Hüseyin Alperen Canan in der Klasse bis 55 kg. Um ihm eine Teilnahme bei der Jugend-Euro zu ermöglichen, wurde er für die nächst höhere und mit 35 Teilnehmern stark besetzten Klasse angemeldet. Seinen ersten Kampf gegen Amar Hujic aus Bosnien-Herzegowina konnte Hüseyin Alperen Canan vorzeitig mit 22 zu 2 für sich entscheiden. Danach setzte er sich in einem über lange Zeit recht engen Kampf gegen Dimitar Kobaev aus Bulgarien mit 23 zu 15 Punkten durch und sicherte sich mit einem 22-zu-16-Sieg gegen Rustam Odinaev aus Russland einen Platz in den Medaillenrängen. Im Halbfinale lag Hüseyin eine Minute vor dem Schlußgong knapp in Führung, musste sich dann aber am Ende gegen Roman Hayrapetov aus Armenien geschlagen geben. Er unterlag mit 10 zu 16 Punkten – und gewann die Bronzemedaille.

Aus der Sicht von Bundestrainer Marco Scheiterbauer hat Hüseyin alle Erwartung voll und ganz erfüllt. „Hüseyin hat in der höheren Gewichtsklasse sensationell gefightet und vollen Einsatz gebracht. Es ist sehr schön, einen Kämpfer in seinem Team zu haben, der mit so viel Herzblut und Leidenschaft fightet.“

Jugend männlich bis 63 kg:
Seinen Auftaktkampf gegen Ioannis Panagiotopoulos aus Griechenland konnte sich Muhammedcan Gökce problemlos mit 23 zu 15 Punkten für sich entscheiden. Im Achtelfinale kam er dann aber gegen Filip Svec aus der Slowakei nicht zurecht und unterlag am Ende mit 15 zu 26 Punkten. „Für Mumi war der Slowake ein unangenehmer Gegner. In den drei Runden hat er kein Mittel gegen ihn gefunden und ist überraschend ausgeschieden.“

Jugend männlich über 78 kg:
Gleich im ersten Kampf musste Birkan Barcin gegen den als Favorit gesetzten Adrian Wagstaffe aus Großbritannien auf die Kampffläche. Obwohl der körperlich deutlich größere Brite permanent Druck machte, hielt Birkan dagegen und versuchte immer wieder, die Distanz zu verkürzen. „Birkan hat seinem starken Gegner einen tollen Kampf geliefert und drei Runden lang vollen Einsatz gezeigt“, beurteilte Bundestrainer Marco Scheiterbauer den Kampf. Am Ende unterlag er dem späteren Vizeeuropameister mit 6 zu 15 Punkten.

Mit einer Goldmedaille, zwei Mal Silber und drei Mal Bronze kam Deutschland in der Nationenwertung auf den fünften Platz und bei der weiblichen Jugend auf Platz drei.

Resümee von Bundestrainer Marco Scheiterbauer:
„Diese Europameisterschaft war für uns als Team besonders wichtig, da wir sehr viel investiert haben. Wir haben die gesamte Saison über an diesem Ziel festgehalten und konnten am Ende in einem starken internationalen Teilnehmerfeld mit guten Leistungen überzeugen.

An dieser Stelle möchte ich mich beim Betreuerstab bedanken, der immer unglaublich intensiv mit dem gesamten Team zusammengearbeitet und dadurch die Leistungen in der Mannschaft möglich gemacht hat. Ich möchte mich aber auch bei den Eltern, den Heimatvereinen und vor allem bei den Heimtrainern für ihren herausragenden Job bedanken, ohne den diese Erfolge nicht möglich gewesen wären.

Für das Betreuerteam war diese Europameisterschaft eine sehr wertvolle und lehrreiche Erfahrung, an die wir alle gerne zurückdenken werden. Unser Verband muss sich nun der verantwortungsvollen Aufgabe stellen, diese jungen Talente weiterhin zu fördern und zu entwickeln.

Unsere nächste große Herausforderung besteht nun darin, eine Mannschaft für die kommende Weltmeisterschaft zu formen und an die internationale Spitze heranzuführen.“

Text und Fotos:
Peter Bolz