Europameisterschaft-U21 in Warschau: Eine "bayerische" Bronzemedaille

Bei der Europameisterschaft-U21 in Warschau hielt sich das befürchtete Chaos in Grenzen. Da nicht alle Nationen das ihnen zustehende Anmeldepotential ausschöpften, gingen in Polen insgesamt – „nur“ - 603 Teilnehmer an den Start. Vor drei Jahren waren es 286 Teilnehmer. Schuld an dem explosionsartigen Anstieg des Teilnehmerfelds war eine umstrittene Änderung im Regelwerk. 2016 führte die World Taekwondo Europe (WTE) ein neues G-Turnier ein, den so genannten „WT PresidentsCup“ ein. Da es weltweit bereits ungefähr fünfzig G-Turniere gibt, wurde die Gründung weiterer Turniere mit Skepsis zur Kenntnis genommen. Der Anreiz, an diesem neu gegründeten Turnier teilzunehmen, lag am Versprechen des europäischen Verbandes, dass alle Medaillengewinner bei den Europameisterschaften an den Start gehen dürfen. Für die WTE war die Änderung des Regelwerks recht lukrativ. Bei über 2.000 Teilnehmern und einer Startgebühr flossen dort über 200.000,- Euro in die Kasse.

2018 gründete die WTE ein weiteres Turnier mit dem sperrigen Namen „Multi Open European Games“. Auch den Medaillengewinnern dieses Turnieres wurde von der WTE die Teilnahme an den Europameisterschaften versprochen.

Laut dem Regelwerk des Weltverbandes darf jede Nation nur einen Teilnehmer pro Gewichtsklasse nominieren. Das gilt nicht nur für Weltmeisterschaften, sondern natürlich auch für Europameisterschaften. Durch die eigenwillige Auslegung des Regelwerks hätte jede Nation in Warschau in jeder Gewichtsklasse bis zu 14 Teilnehmer an den Start schicken dürfen. Einige Nationen reizten diese Möglichkeiten aus. Bei den männlichen Junioren bis 54 kg gingen elf (!) Türken auf die Kampffläche.

Aber zurück zum Sport. Die zwölf bayerischen Mitglieder im deutschen Nationalteam traten mit einer Bronzemedaille im Handgepäck ihren Rückflug an. Nachfolgend die „bayerischen“ Wettkämpfe im Einzelnen:

Junioren weiblich bis 46 kg:
Kein Glück bei der Auslosung hatte Vize-Europameisterin Shayna Guerra (TKD Özer Nürnberg). Als erste Gegnerin wurde ihr die Europameisterin Emine Gögebakan aus der Türkei zugelost. Beide standen sich bereits im letzten Jahr beim Euro-Finale gegenüber, dass Shayna verlor. In Warschau musste Shayna zwar wieder eine Niederlage einstecken, die mit 3 zu 7 Punkten aber wesentlich knapper ausfiel.

Junioren weiblich bis 53 kg:
Für Vanessa Beckstein, WM-Dritte und amtierende Jugend-Europameisterin vom SV Nennslingen, lief in Warschau zunächst alles nach Plan. Sie gewann ihre Kämpfe gegen Maria Tsante aus Griechenland und gegen die Dänin Cille Lund Nielsen vorzeitig und ließ danach auch der Vize-Europameisterin Anna Kazarnovskaia aus Russland keine Chance. Im Viertelfinale unterlag sie dann aber gegen Zeliha Agris, der amtierenden Weltmeisterin aus der Türkei, mit einem respektablen Ergebnis von 14 zu 23 Punkten.
  
Junioren weiblich bis 53 kg:
Im ersten Kampf konnte sich Stefanie Grünauer mit 21 zu 18 Punkten durchsetzen. Danach unterlag sie aber gegen die 11-fache Open-Tournament-Siegerin Jolanta Tarvida aus Lettland mit 6 zu 16 Punkten.

Junioren weiblich bis 73 kg:
In der Klasse bis 73 kg gingen zwei bayerische Teilnehmerinnen an den Start.

Gleich im ersten Kampf musste Darija Husovic (TSV 1865 Dachau) gegen die bis dahin noch amtierende U21-Europameisterin Anastasia Baklanova aus Russland antreten. Die Dachauerin unterlag mit 0 zu 12 Punkten.

Deutlich besser lief es für Alema Hadzic (TKD Özer Nürnberg), die sich gegen Eliza Frazier Haugen (Norwegen), Souzana Tomazou (Zypern) und der Türkin Tuba Donukara bis ins Halbfinale vorkämpfen konnte und sich damit schon mal einen Platz auf dem Siegertreppchen sicherte. Im Halbfinale unterlag die Nürnbergerin mit 13 zu 14 Punkten denkbar knapp gegen Doris Pole, der späteren Europameisterin aus Kroatien.

Junioren männlich bis 54 kg:
Emircan Onus (KSC Leopard Nürnberg) unterlag gleich im ersten Kampf vorzeitig mit 1 zu 21 Punkten gegen Maksud Dadashov, dem späteren Zweitplatzierten aus Russland.

Junioren männlich bis 58 kg:
In der 58-kg-Klasse gingen gleich zwei bayerische Wettkämpfer an den Start. Hüseyin-Alperen Canan (TC Donu-Lech-Iller) unterlag im ersten Kampf mit 10 zu 12 Punkten gegen Alptekin Sengul aus der Türkei. Auch Osmanhan Gökce (KSC Leopard Nürnberg) hatte das Glück nicht auf seiner Seite. Er verlor seinen Auftaktkampf gegen Azamat Abibilla aus Russland deutlich mit 5 zu 24 Punkten.

Junioren männlich bis 63 kg:
Jordanis Konstantinidis (TSV 1865 Dachau) hatte im ersten Kampf gegen Marcos Caballero Echevarria aus Spanien das Nachsehen. Er musste eine 1-zu-11-Punkte-Niederlage akzeptieren.  

Junioren männlich bis 68 kg:
In der mit 58 Teilnehmern besetzten Klasse bis 68 kg gingen gleich zwei Wettkämpfer aus bayerischen Vereinen auf die Kampffläche.

Muhammedcan Gökce (KSC Leopard Nürnberg) konnte sich im ersten Kampf knapp mit 11 zu 9 Punkten gegen Georgios Kasidiaris aus Griechenland durchsetzen. Danach unterlag er mit 2 zu 17 Punkten gegen Ali Radwan aus Weißrussland.

Malik Gülec (TKD Özer Nürnberg) stand im ersten Kampf gegen Rostyslav Lysyak aus der Ukraine auf der Kampffläche. Dort musste er eine knappe 11-zu-12-Niederlage einstecken.

Junioren männlich bis 80 kg:
In der mit 35 Teilnehmern besetzten 80-kg-Klasse konnte sich Andreas Tausch (TKD Özer Nürnberg) gegen den Russen Nikita Kobzev deutlich mit 19 zu 9 Punkten durchsetzen. Im Achtelfinale unterlag er dann aber knapp gegen Sergen Curabaz aus der Türkei.