Klares Votum gegen einen neuen Verband: „Wir wollen das nicht!“

Verleihung des 5. Dan an BTU-Ehrenpräsident Reiner Hofer

Am vergangenen Sonntag wurde von der Deutschen Taekwondo Union (DTU) im „Haus des Sports“ in München die alljährliche Mitgliederversammlung abgehalten. Anwesend waren bei dieser Versammlung neben den Vertretern der Landesverbände auch das DTU-Präsidium sowie nahezu alle Leiter der einzelnen Fachressorts.

5. Dan für BTU-Ehrenpräsident Reiner Hofer
Bevor DTU-Präsident Stefan Klawiter dazu überging, die Punkte auf der Tagesordnung mit den Anwesenden abzuarbeiten, bedankte er sich bei Reiner Hofer, dem Ehrenpräsident der BTU, für seinen intensiven Einsatz, den er im Zusammenhang mit dem Neubau des Leistungszentrums in Nürnberg eingebracht hat. Als Zeichen der Dankbarkeit verlieh er Reiner Hofer im Namen der DTU den 5. Dan – herzlichen Glückwunsch.

Anschließend wurde das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung genehmigt und die Tagesordnung festgelegt. Nachdem es wegen der Berichte des DTU-Präsidiums keine nennenswerten Rückfragen gab, stand einer Entlastung nichts im Weg.

Interessant ist vielleicht doch noch, dass von der DTU-Jugend in einem bemerkenswerten Beitrag darauf hingewiesen wurde, dass dort demnächst – unter anderem auch als eine Initiative des Deutschen Olympischen Sportbunds - eine Umfrage über sexualisierte Gewalt in den Vereinen gestartet werden soll. Wichtig war auch zu hören, dass die Auswertung des DTU-Antidoping-Berichts 2016 durch die Nationale Doping Agentur (NADA) keine Beanstandungen und Mängel ergeben habe.

Bei den anschließenden 22 Tagesordnungspunkten wurden Anträge des Präsidiums und der Landesverbände zu den Themen Prüfungswesen, Anerkennung von Kukkiwon-Dan-Graduierungen, Änderungen der Finanz- und Gebührenordnung, Richtlinien für die Durchführung von Bundesbreitensportlehrgängen, anfallende Umsatzsteuern bei der Erhöhung von Kup-Urkunden und der DTU-Pässe um jeweils einen Euro und ähnliches durchbesprochen und per Abstimmung verabschiedet. Es würde den Rahmen sprengen, hier auf alle Punkte einzugehen – zumal diese Informationen von den Landesverbänden an die Vereine weitergegeben werden.

Tagesordnungspunkt 14.01
Wirklich interessant wurde es dann beim Tagesordnungspunkt 14.01, der wenig spektakulär mit „Stellungnahme und Empfehlung des Präsidiums zum Aufnahmeantrag TU NRW e.V.“ betitelt wurde. Was dort mit so trockenen Worten beschrieben wurde, ist ein ziemlich heißes Thema. So heiß, dass mittlerweile alle Sportfachverbände in Deutschland ganz genau verfolgen, wie die DTU und die Landesverbände der DTU mit diesem brisanten Thema umgehen.

Derzeit ist beim Landgericht München ein Klageverfahren anhängig, in dem der neue Verband TU NRW gegen die DTU klagt, dass sie als neuer Landesverband aufgenommen werden will. Von der Vorsitzenden Richterin wurde in der Verhandlung darum gebeten, das Thema auf die Tagesordnung der Mitgliederversammlung zu setzen und darüber abstimmen zu lassen.

Stefan Klawiter ging als DTU-Präsident nur kurz auf den Wunsch des Landgerichts München ein. Er erklärte ausdrücklich, dass die Mitglieder des Präsidiums keine Empfehlungen abgeben möchten. Die Landesverbände sollten ihre Meinung zu diesem Thema äußern und dann darüber abstimmen, ob sie den neuen Landesverband TU NRW aufnehmen wollen.

An dieser Stelle sollte man vielleicht erst mal mit der gebotenen Sachlichkeit erklären, um was es hier eigentlich geht.

Ungefähr im Sommer 2015 haben mehrere Vereine der Nordrhein-Westfälischen Taekwondo Union (NWTU) den Antrag auf die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gestellt, um dann dort den amtierenden NWTU-Präsident Antonio Barbarino als Präsident abzuwählen. Aus nachvollziehbaren Gründen war Antonio Barbarino damit überhaupt nicht einverstanden und verweigerte die gewünschte Einberufung der Versammlung.

Die Abwahl des NWTU-Präsident
Die NWTU-Vereine reichten deshalb beim Gericht eine Klage ein. Nach einem monatelangen Rechtsstreit wurde Antonio Barbarino vom Gericht dazu verurteilt, die außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Dort wurde er von der Mehrheit der Vereine von seinem Amt als Präsident abgewählt.

Von seiner Abwahl war Antonio Barbarino – drücken wir es einmal vornehm aus – überhaupt nicht begeistert. Sofort nach seiner Abwahl kündigte er an, dass er einen neuen Landesverband in Nordrhein-Westfalen gründen will und danach ebenfalls als Landesverband bei der DTU aufgenommen werden will. Tatsächlich hat er dann mit ein paar befreundeten Vereinen den Verband gegründet und möchte nun als zweiter Landes(-Taekwondo Fach-)verband aus Nordrhein-Westfalen bei der DTU aufgenommen werden.

Seit der Abwahl von Antonio Barbarino werden etliche Funktionäre der DTU zur ständigen Zielscheibe von gehässigen und absolut respektlosen Facebook-Beiträgen, die in aller Regel anonym veröffentlicht werden. Dieses permanente Mobben und die üblen Unterstellungen gingen so weit, dass sich das DTU-Präsidium gezwungen sah, vor dem Gericht eine Klage einzureichen.

Der richtige Umgang mit Krattlern
Für alle seriösen Sportverbände ist der richtige Umgang mit anonym verbreiteten Unterstellungen ein riesiges Problem. Wenn man zu jedem Unsinn immer wieder Stellung bezieht, wird man schnell zum Spielball von solchen Krattlern. Wenn man die dümmlichen Kommentare einfach übersieht, besteht natürlich die Möglichkeit, dass vor allem etwas einfacher gestrickte Mitglieder den Lügen und verdrehten Halbwahrheiten glauben. Und davon gab es - leider - wirklich viele.

Vermutlich gibt es sogar einige, die der Meinung sind, dass man den neuen Verband doch einfach aufnehmen sollte. Das wäre doch gut für das deutsche Taekwondo, weil dann viele neue Mitglieder dazu kommen würden. Jetzt stellt sich dann aber die Frage, ob man den nächsten Verband, der sicherlich sehr schnell gegründet werden könnte, dann so einfach ablehnen kann. Was will man denn machen, wenn sich dann in Nordrhein-Westfalen gleich fünf oder zehn Verbände anmelden wollen – und vielleicht genauso viele neu gegründete Verbände in allen anderen Landesverbänden?

Tricksen, täuschen und manipulieren
Um genau das zu verhindern. gibt es in allen Sportfachverbänden – also beim Tennis, Golf, Karate, Leichtathletik usw. – das so genannte Ein-Platz-Prinzip. Das bedeutet nichts anderes, als dass pro Bundesland nur ein Landesverband als Mitglied beim Sportfachverband aufgenommen werden darf. Auch bei der DTU steht das so in der Satzung. Und genau um die Aufhebung von diesem Ein-Platz-Prinzip geht es Antonio Barbarino bei seiner Klage vor dem Landgericht München. Um dieses Ziel zu erreichen, ist offensichtlich jedes Mittel recht. Es wurde getrickst, betrogen und manipuliert, dass sich die Balken biegen.

Falsche und haltlose Behauptungen
Bei der Mitgliederversammlung in München wurden die Landesverbände um ihre Meinung gefragt. Und diese Meinungsdiskussion verlief absolut eindeutig. Der durchgängige Tenor war "Wir wollen keinen neuen Verband!". Alle von den Vertretern des neuen Verbandes vorgebrachten Argumente wurden ruhig und sachlich als das überführt, was sie tatsächlich sind – als falsche und haltlose Behauptungen, die mit nichts zu beweisen sind.

Die Sache mit dem "Ein-Platz-Prinzip"
So wurde beispielsweise Josef Wagner, der ehemalige NWTU-Präsident und heutige Unterstützer der TU-NRW, vom Unterzeichner gebeten, ihm einen Sportfachverband zu benennen, bei dem es eine Ausnahme vom Ein-Platz-Prinzip geben würde. Die Frage beantwortete er mit „Ich bin nicht verpflichtet, Dir eine Antwort zu geben.“ Im Prinzip spricht diese Aussage für sich selbst. 

BTU-Vizepräsident Joerg Kohlenz bat in einem beeindruckenden Statement inständig darum, dass man endlich damit aufhören sollte, dass diese ganzen Streitereien und Gerichtsverfahren nur zum Wohle des Taekwondo und der Sportler geführt werden. Jeder soll sich eingestehen, dass es hier nur um verletzte Eitelkeiten und egoistische Ziele von einigen Wenigen geht. Sinnvoll wäre, die Beteiligten an einen Tisch bringen würde, um endlich einmal die echten Motive offen darzulegen.

Musa Cicek wirft sein Amt als NWTU-Präsident in den Ring
Roland Klein, der Vertreter von Bremen und ein Urgestein des Taekwondo äußerte seine Befürchtung, dass es für solche Gespräche vermutlich bereits zu spät sein dürfte, da die Fronten extrem verhärtet wären. Dabei, so erklärte er weiter, wären viele bereit, auch Opfer zu bringen, um wieder Ruhe in den Verband zu bringen. In Hamburg hätte sich Musa Cicek, der Präsident von Nordrhein-Westfalen und Nachfolger von Antonio Barbarino, ihm gegenüber in einem Gespräch sogar bereit erklärt, von seinem Amt als NWTU-Präsident zurückzutreten, wenn Antonio Barbarino ebenfalls dazu bereit wäre. Damit wäre die angestrebte Aufnahme erledigt - und es könnte endlich wieder der organisierte Taekwondo-Sport in Deutschland im Vordergrund stehen.

Klares Votum
Bei der Abstimmung über die Aufnahme des neuen Verbandes TU-NRW haben die Landesverbände ein ganz klares Votum abgegeben und schmetterten in einer geheimen Wahl den Antrag mit 57 zu 23 Stimmen ab.

Alle Beteiligte sofort an einen Tisch
Nach der Abstimmung richtete Joerg Kohlenz als bayerischer Vertreter an das Präsidium der DTU die dringende Bitte, trotz der verhärteten Fronten alles zu versuchen, um so schnell wie möglich alle an dem Streit beteiligten Personen an einen Tisch zu bringen. Dort sollte versucht werden, unter der Leitung eines außenstehenden Mediators eine Einigung zu erreichen. 


Text und Foto:
Peter Bolz