Poomsae-WM in Taipeh City / Taiwan

Vom 15. bis 18. November 2018 wurde in Taipeh City/Taiwan die Poomsae-Weltmeisterschaft ausgetragen. Laut offiziellen Angaben des Weltverbandes gingen in Taipei City insgesamt 1.274 Formenläufer aus 59 Nationen an den Start. 

Das deutsche Nationalteam ging mit 22 Kadermitgliedern an den Start, darunter auch vier Formenläufer aus bayerischen Vereinen.

An den vier Wettkampftagen wurden in den Damen- und Herrenklassen in den Kategorien Individual, Paar und Team sowie im Freestyle Individual, Paar und Team insgesamt 44 Weltmeistertitel vergeben. Einen dieser Weltmeistertitel gewann Imke Turner in der Damenklasse unter 60. Die Bremerin wurde in Taiwan zum fünften Mal Weltmeisterin. Christian Senft aus Bad Münder wurde Vizeweltmeister bei den Herren bis 50. Weitere Details gibt es hier: www.dtu.de/

Nach ihrer Rückreise nach Deutschland haben wir die vier „bayerischen“ Mitglieder des Nationalkaders sowie die Assistenz-Bundestrainerin Daniela Koller und Physiotherapeut Markus „Joey“ Wittek gebeten, uns ihre persönlichen Eindrücke von und über die Weltmeisterschaft mitzuteilen.   

 

Daniela Koller (SG Krumbach) – Assistenz-Bundestrainerin

„So kurz nach der Ernennung zur Assistenz-Bundestrainerin war für mich persönlich der erste Einsatz bei der Weltmeisterschaft ein ganz besonderer Einstieg. Aber nicht nur ich war als „Rookie" dabei, auch die Jugendlichen und aus bayerischer Sicht zudem auch Bärbel und Stefan. 

Schon die gemeinsame Vorbereitung auf das Großereignisses war ein intensiver Prozess, der das Team zusammengeschweißt hat. Top motiviert und auf den Punkt vorbereitet stellte sich das Team der weltweiten Konkurrenz. Hier ist besonders hervorzuheben, dass die zunehmende Professionalisierung des Poomsae-Sports in zahlreichen Nationen die Bandbreite an herausragenden Athleten deutlich vergrößert hat. Besonders die asiatischen und einige lateinamerikanische Länder sind hier Vorreiter. Umso stärker und höher einzuschätzen sind die deutschen und bayerischen Erfolge auf der WM-Bühne.

Fiona Patz zeigte bei ihrer internationalen Premiere keine Nerven und konnte ihr Leistungspotenzial voll abrufen. Als eine der jüngsten Teilnehmer konnte sie viele erfahrene Athleten hinter sich lassen. Im Freestyle Einzel belegte sie am Ende den 11. Platz und den 7. Platz im Freestyle Team mixed. Dies lässt entspannt und freudig in die Zukunft blicken. Es war bestimmt nicht das letzte internationale Ausrufezeichen von Fiona!

Bärbel Reiner konnte bei ihrer ersten Weltmeisterschaft auf ganzer Linie überzeugen. Beim Einzel Damen bis 40 setzte sie sich mit präzisen und dynamischen Formen im ersten Battle verdient gegen Nerea Alamoncos Lamas, die 3-fache Vizeeuropameisterin aus Spanien durch. Im zweiten Battle musste sich Bärbel gegen Atousa Farahmand Parsa, die 3-fache Weltmeisterin und spätere Vizeweltmeisterin aus Iran, knapp geschlagen geben. Besonders schön war die Bekundung der gegenseitigen Wertschätzung zwischen den Konkurrentinnen nach dem Lauf. 

Stefan Brummer und Bärbel zeigten auf der Fläche, dass sie ein vielversprechendes Paar sind. Als Neulinge in der Altersklasse unter 40 konnten sich die beiden im Halbfinale nicht für die Finalrunden empfehlen, dennoch zeigten sie, dass mit ihnen künftig zu rechnen ist.

Landestrainer Michael Bußmann ging mit seinen Partnern Kai Müller und Christian Senft an den Start. Die drei konnten sich einen 5. Platz in der stark besetzen Klasse Team männlich über 30 erkämpfen.

Neben den Sportlern waren für Bayern auch Markus „Joey“ Wittek und Marion Schrader im Einsatz. Joey konnte mit seinen „magischen“ Händen das Team perfekt fit in die Wettkämpfe schicken. Marion war als erste bayerische Kampfrichterin auf einer Weltmeisterschaft! Raffaella Delli Santi begleitete die Zeit in Taiwan für die DTU und BTU medial von Deutschland aus! Die konstante und professionelle Berichterstattung hielt alle auf dem Laufenden.

Sowohl aus Sicht des Bundes als auch der BTU bin ich als Trainerin sehr zufrieden mit den gezeigten Leistungen und dem tollen Teamspirit. Danke an alle Funktionsträger, Vereinstrainer, Familien und weitere Unterstützer. Ohne euch wäre das so nicht möglich gewesen! Besonders hervorzuheben möchte ich schlussendlich den unermüdlichen Einsatz von Hado Yun, Manuel Kolb und Rainer Tobias!

 

Bärbel REINER (TSV Neubiberg) - Einzel Damen U40 und Paarlauf U40

„Für mich war die Weltmeisterschaft ein tolles und aufregendes Turnier. Sehr beeindruckend waren die Leistungen von den Teilnehmern aus den asiatischen Ländern. Solche Leistungen sieht man in Europa nur von sehr wenigen Sportlern.

Ich persönlich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich denke, ich konnte meine Trainingsarbeit auf der Fläche zeigen. Durch das Battle-System in meiner Klasse gehört leider auch etwas Losglück dazu, eine Medaille wäre mit mehr Glück durchaus möglich gewesen.“

 

Stefan BRUMMER (TKD Rudelzhausen) Paarlauf U40

„Ich war sehr stolz, mit dem Nationalteam beim größten Poomsae Turnier an den Start gehen zu dürfen. 

Für mich war es das erste Turnier in dieser Dimension. Sehr begeistert war ich von der Nationenvielfalt und besonders erstaunt über die Präzision, der Synchronität sowie der Kickhöhen der asiatischen Länder! Die Darbietungen waren sehr beeindruckend. 

Unsere Trainingsarbeit war sehr umfangreich und organisatorisch mit teils großen Fahrtwegen verbunden! Wir sind sehr gut vorangekommen und konnten uns stetig verbessern. Wir gingen daher sehr gut vorbereitet in den Turniertag und waren gut fokussiert. 

Mit der Präsentation und mit dem Ergebnis bin ich leider nicht ganz zufrieden, da wir die nächste Runde, auf Grund einer Unsicherheit in der Kumgang um nur eine Platzierung nicht erreicht haben. Ärgerlich war, dass wir unsere gewohnte und trainierte Leistung nicht auf die Fläche bringen konnten. 

Dennoch lassen wir uns nicht unterkriegen und werden in der kommenden Saison verstärkt wieder an den Start gehen.“ 

 

Michael BUSSMANN (Polizei-SV Eichstätt) Team männlich über 30

„Es war diesmal eine sehr anstrengende Weltmeisterschaft. Vier Tage lang um 5.30 Uhr aufstehen und um 6.30 Uhr zur Halle fahren. Um 22.00 Uhr war die Rückfahrt zum Hotel. Dort sind wir um 23.00 Uhr angekommen. Nach vier Tagen ist man echt platt.

Die Weltmeisterschaft hat jeden Tag über zehn Stunden gedauert. Der Grund waren die vielen Klassen, die große Zahl an Teilnehmern und natürlich der neue Wettkampfmodus. Auch der Freestyle dauerte, weil ja immer nur einer starten kann. Die beiden anderen Flächen können in dieser Zeit nichts machen.

Ich fand die Bewertung dieses Mal wieder sehr Korea-lastig, in einigen Klassen war nicht ganz klar, warum Korea auf Platz eins kam. Im Großen und Ganzen haben sich aber alle Nationen weiterentwickelt, die Leistungen der jeweiligen Finalisten war wirklich hervorragend.

Zu unserem Team. Wir sind damit zufrieden, unser Ergebnis der letzten beiden Weltmeisterschaften gehalten zu haben. Fünfter Platz in dieser Klasse ist sicher ganz gut. Schade war, dass Kai parallel im Einzel dran war und wir uns nicht vorbereiten konnten. Dazu kam, dass ich ordentlich erkältet war, was die Sache nicht besser gemacht hat.

Gesundheitlich war 2018 für mich nicht optimal. Gleich zum Jahresbeginn erkältet bei der German Open, dann Schulterprobleme, leichter Bandscheibenvorfall und dann wieder erkältet. Die Verletzungen haben mir heuer den Einzelstart bei der Weltmeisterschaft gekostet. Ich denke, wenn ich fit gewesen und gestartet wäre, wäre locker eine Medaille drin gewesen. Aber, so ist das Leben.

Zu guter Letzt, wie bereits bei Facebook geschrieben, haben wir uns entschlossen, nicht mehr im Team zu starten. Es war eine gute Zeit und wir wollen es so in Erinnerung behalten. Grund war auch mein zweiter Nachwuchs im Januar und Chris Nachwuchs im März. Trainingseinheiten wären so kaum noch möglich gewesen. Davon abgesehen waren wir mit Abstand das älteste Team im Finale, auch da geht die Zeit nicht an uns vorbei.“

 

Fiona PATZ (Polizei-SV Eichstätt) - Freestyle Einzel und Teamwettbewerb

„Mit meinen Platzierungen war ich zufrieden. Auf der Fläche habe ich mich sehr gut gefühlt. Unmittelbar nach meinem ersten Start beim Mixed Junior Team Freestyle habe ich per WhatsApp nach Hause geschrieben: "Ein tolles Feeling auf der Fläche". Mir hat die Weltmeisterschaft sehr viel Spaß gemacht.

Besonders gut hat mir auch gefallen, dass mit anderen Nationen (Korea, Taiwan) Freundschaften entstanden sind. Gewöhnungsbedürftig war für mich aber das Frühstück mit Reis und Nudeln."

Markus „Joey“ WITTEK (SG Krumbach) - Physiotherapeuth

„Das Team war insgesamt super aufgestellt. Jeder/Jeder einzelne war sowohl physisch wie auch mental zu 100% da, wo ein Leistungssportler sein sollte, u.a. dank der guten Vorbereitung meiner Kollegen (Physiotherapeuten/Osteopathen/Ärzte), die sich im Vorfeld schon um das Vertrauen und der physical Fitness unserer Teammitglieder verdient gemacht haben.

Alles was ich tun durfte, war zu versuchen, unseren Athletinnen und Athleten vielleicht das eine oder andere "PS" freizuschalten und sie damit auf die Fläche zu schicken. Die Eine brauchte es mehr, der Andere weniger.

Es war mir eine Ehre, diesem fantastischen Team beiseite stehen zu dürfen.“